Über Dampfplauderer, Geld und Leistung

Profi-Texter: Über Dampfplauderer, Geld und LeistungEs ist Mode gewor­den, höchs­te Qua­li­tät zu ver­lan­gen, aber am bes­ten fast nichts dafür bezah­len zu wol­len. Schritt­ma­cher die­ser Ent­wick­lung sind vie­le Dampf­plau­de­rer, die ihrer Kli­en­tel ein­re­den, dass es fast alles „umsonst“ gibt, wenn man es nur cle­ver genug anstellt. Das hat natür­lich einen Hin­ter­grund: Das gebün­del­te Halb­wis­sen muss ja irgend­wie in unzäh­li­gen Vide­os ver­kauft wer­den. Und da ist es fast schon wie­der erhei­ternd, wenn Per­so­nen, die kaum einen gera­den Satz her­aus­be­kom­men, vol­ler Inbrunst ver­kün­den, was z.B. ein Autor und Tex­ter pro Wort kos­ten darf.

 

Das Geschäftsmodell der Dampfplauderer

Man redet den Unbe­darf­ten ein, dass jeder alles kann, wenn er es nur wirk­lich will. Das ist natür­lich völ­li­ger Unsinn. Aber dar­auf beruht das Geschäfts­mo­dell der Dampf­plau­de­rer in den Wei­ten des Inter­nets.

Klar, wer die­sen Unbe­darf­ten im eige­nen Geschäfts­in­ter­es­se ein­re­det, auch sie wür­den schon bald mühe­los 10.000 Euro im Monat ver­die­nen, wenn sie nur für 500 Euro den rich­ti­gen Video­kurs kau­fen wür­den, der muss das so sehen. Schließ­lich ist der Ver­kauf von Video­kur­sen sein ein­zi­ges funk­tio­nie­ren­des Busi­ness.

Dazu muss ange­merkt wer­den, dass die Dampf­plau­de­rer meist nicht selbst erfolg­reich mit dem Geschäfts­mo­dell sind, das sie ande­ren zum „auto­ma­ti­sier­ten“ Geld­ver­die­nen pre­di­gen. Dann wäre es tat­säch­lich in Ord­nung, wenn sie ihr Wis­sen ver­mark­ten wür­den. Ihr Erfolg basiert ledig­lich dar­auf, mög­lichst vie­le Unbe­darf­te zu fin­den, denen sie ihre oft­mals min­der­wer­ti­gen und nutz­lo­sen Info­pro­duk­te andre­hen kön­nen.

 

Eine unangenehme Subkultur

Jetzt könn­te man die Fra­ge stel­len, was geht das den Autor und Tex­ter an? Prin­zi­pi­ell nichts, wenn er nicht auch ein ehr­ba­rer Kauf­mann wäre.
Es ist schon ein Ärger­nis, dass um die­sen gan­zen Bereich „Info­pro­duk­te“ eine sehr unan­ge­neh­me Sub­kul­tur von Inter­net-Maul­hel­den ent­stan­den ist, die kei­ner­lei Wert­schät­zung für die Qua­li­tät einer Sache oder Leis­tung auf­brin­gen kann.

Die­se Inter­net-Maul­hel­den stel­len schlicht die Wich­tig­keit von Aus­bil­dung, Erfah­rung und Kön­nen in Abre­de. Jeder kann alles, wenn er nur will, nicht wahr?

 

Dampfplauderer schaffen keine Werte

Jeder kann „Bücher“ schrei­ben, ohne selbst Hand anle­gen und dar­über tief­schür­fend nach­den­ken zu müs­sen. Über­haupt kann man ja das Schrei­ben und das Den­ken von­ein­an­der tren­nen.

Wozu denn beim Tip­pen von 10.000 Wör­tern für ein E-Book nach­den­ken, das für 4,99 Euro bei Ama­zon ver­scheu­ert wer­den soll? Gei­ler Con­tent schreibt sich doch von ganz allei­ne. Zwei Cent pro Wort für den Tex­ter sind da eine spit­zen­mä­ßi­ge Bezah­lung, nicht wahr?

Auch kann jeder völ­lig „auto­ma­ti­siert“ Geld ver­die­nen, ohne dafür mehr als zwei Stun­den die Woche arbei­ten zu müs­sen. Und das natür­lich am bes­ten noch mit dem Lap­top am Strand auf der Insel Bali. Schön wär‘s. Das ist aber natür­lich völ­lig irre­al.

 

Die Geringschätzung kreativer Arbeit

Das Irrea­le und die Umsonst­kul­tur sind ver­ant­wort­lich dafür, dass zwar jeder laut­hals Spit­zen­qua­li­tät for­dert, aber deren Macher den­noch wenig Wert­schät­zung genie­ßen. Ihre Krea­ti­vi­tät und Leis­tung wer­den als Selbst­ver­ständ­lich­keit wahr­ge­nom­men. Denn schrei­ben kann ja angeb­lich jeder, dazu muss man kein Aus­nah­me­kön­ner sein.

Das drückt sich dann so aus, dass ein Autor und Tex­ter in nicht weni­gen Stel­len­aus­schrei­bun­gen und Arbeits­an­ge­bo­ten als „Schrei­ber­ling“ ange­spro­chen wird. Das ist nicht nur Aus­druck einer Gering­schät­zung, es ist eine Belei­di­gung. Und dann erwar­tet man von die­sem „Schrei­ber­ling“, dass er für einen Dum­ping­lohn inner­halb kür­zes­ter Zeit ein­zig­ar­ti­ge und hoch­wer­ti­ge Tex­te ablie­fert, damit der Auf­trag­ge­ber Umsatz machen kann. Mer­ken Per­so­nen, die so etwas von sich geben, gar nichts mehr? Igno­ranz war noch nie beson­ders gut für den Umsatz.

Die Gering­schät­zung krea­ti­ver Arbeit, zu der auch das Schrei­ben und Tex­ten gehört, ist lei­der weit­ver­brei­tet. Man erwar­tet vom Autor und Tex­ter, dass er ein umfang­rei­ches Wis­sen mit­bringt, dass er etwas von Wer­bung und vom Ver­kau­fen ver­steht, 1000 Jah­re Erfah­rung und ein tol­les Sprach­ge­fühl mit­bringt. Aber den­noch wird oft­mals behaup­tet, dass jeder („Schrei­ber­ling“) schrei­ben und tex­ten kann.

 

Schreiben können nur die Wenigsten

Nein, es kann eben nicht jeder gute Tex­te schrei­ben, denn sonst täten sie es ja selbst, die sol­chen Unfug behaup­ten. Nicht jeder, der in der Schu­le das ABC gelernt hat, wird spä­ter ohne ent­spre­chen­des Wis­sen und Kön­nen in der Lage sein, zu den ver­schie­dens­ten The­men sinn­vol­le und qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Tex­te zu schrei­ben, die ja meist einen Umsatz gene­rie­ren sol­len.

Das erwar­tet man aber vom Autor und Tex­ter. Der hat das zu kön­nen, und er kann es ja auch, des­halb ist er der Pro­fi und eben nicht die ande­ren.

Jeder kann zwar mög­li­cher­wei­se eine Rau­fa­ser­ta­pe­te weiß anstrei­chen, aber kaum jemand kann ein künst­le­risch wert­vol­les Ölge­mäl­de erschaf­fen.

Nein, für beson­de­re Auf­ga­ben, die eben nicht jeder ein­fach so erle­di­gen kann, vor allem dann, wenn es ums Geld­ver­die­nen geht, bedarf es der beson­de­ren Qua­li­fi­ka­ti­on der Pro­fis.

 

Qualität hat immer ihren Preis

Womit wir wie­der bei der Qua­li­tät einer Sache wären. Die hat ihren Preis. Der Ama­teur, der sich mit der Tex­ter­stel­lung für schlech­te Inter­net­sei­ten ein klei­nes Taschen­geld hin­zu­ver­dient, wird mit wenig zufrie­den sein. Aber er ver­bin­det mit sei­ner Arbeit auch kei­nen beson­de­ren Anspruch. Er schreibt „Snuff-Tex­te“, die wei­ße Flä­chen fül­len und die Such­ma­schi­nen mit ein paar Key­words bedie­nen. Und die hof­fent­lich nie ein Mensch lesen muss.

Der Pro­fi lebt für und von sei­nem Beruf. Qua­li­tät hat hier einen ganz ande­ren Stel­len­wert, denn der Autor und Tex­ter schreibt, damit sei­ne Arbeit einen Mehr­wert schaf­fen kann. In der einen oder ande­ren Form sor­gen sei­ne ein­zig­ar­ti­gen und hoch­wer­ti­gen Tex­te immer für einen Gewinn.

Die Dampf­plau­de­rer, die der Mei­nung sind, dass das jeder kann, wer­den den Beweis für die­se Behaup­tung in der Wirk­lich­keit schul­dig blei­ben. Denn in die­ser Wirk­lich­keit schafft über­all nur pro­fes­sio­nel­le Arbeit einen lang anhal­ten­den Erfolg.



6 Meinungen zu “Über Dampfplauderer, Geld und Leistung

  1. -> Dampf­plau­de­rer schaf­fen kei­ne Wer­te: Zwei Mal “kann” im ers­ten Satz!

    Ansons­ten einer der bes­ten, wenn nicht sogar der bes­te Text, den ich bis­her gele­sen habe, der die­ses Geschäft betrifft!

    MfG, K. A.

    1. Hal­lo!

      Dan­ke für den Hin­weis, hat­te ich über­se­hen.

      Es grüßt

      Wal­de­mar Mai­er

      1. Kein Pro­blem, gern gesche­hen! Habe mir jetzt noch eini­ge Tex­te von Ihnen durch­ge­le­sen. Abso­lut her­vor­ra­gend auf den Punkt gebracht!

        MfG, K. A.

        1. Dan­ke. Ich freue mich, dass Sie hier sind. Immer wenn ich mich über Dampf­plau­de­rer auf­re­ge, sage ich mir, schreib für dei­ne eige­nen Pro­jek­te. Ist die bes­te Metho­de, um sich abzu­re­agie­ren.

  2. Vie­len Dank für die­sen Bei­trag. Ich war auch lan­ge Zeit einer die­ser Schrei­ber­lin­ge, weil ich es nicht bes­ser wuss­te. Heu­te ärge­re ich mich, wenn ich zwi­schen­durch mal auf die alten Tex­ter­platt­for­men rein­schaue und sehe, dass die Kun­den teils noch dreis­ter gewor­den sind. Ich hof­fe, dass ich den point-of-no-return errei­che und vom Schrei­ben leben kann. Auch ich schrei­be und lebe für mei­nen Beruf, als Autorin, Tex­te­rin und neu­er­dings Jour­na­lis­tin.

    Ein Hoch auf krea­ti­ven Con­tent mit Mehr­wert, der fair bezahlt wird!

    1. Hal­lo, Frau Teng­ler!

      Vie­len Dank für die Rück­mel­dung. Ja, ich stau­ne auch manch­mal über die Dreis­tig­keit, mit der von man­chen “AG” höchs­te Qua­li­tät im jewei­li­gen Fach­ge­biet für ein Micro-Hono­rar gefor­dert wird. Dar­auf las­se ich mich gar nicht mehr ein. Da schrei­be ich dann lie­ber an eige­nen Pro­jek­ten für mei­nen per­sön­li­chen Mehr­wert. Das hat auch Vor­tei­le, öfter mal ein kla­res Nein zu sagen.

      Lie­be Grü­ße

      Wal­de­mar Mai­er

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